Schüleraustausch Niort/Frankreich 2010

Schüleraustausch zwischen dem Casimirianum Coburg und dem Lycée Jean Macé Niort (Frankreich) vom 24. April bis 2. Mai 2010
Am Samstag, dem 24. April gegen 18 Uhr starteten 40 Schüler und Schülerinnen mit ihren zwei Lehrkräften Herrn Benz und Frau Keßler im Bus gen Frankreich, in Richtung der französischen Westküste. Ziel war die Stadt Niort, Partnerstadt von Coburg und zugleich langjähriger Austauschpartner zwischen dem Lycée Jean Macé und unserem Gymnasium Casimirianum.
Die Fahrt verlief reibungsloser als geplant, so dass wir bereits in den frühen Morgenstunden die Région „Poitou-Charentes“ erreichten. Um unsere „corres“ nicht unnötig früh aus den Betten zu jagen, legten wir noch zwei Extrapausen ein und genossen bei einem Frühstück die ersten französischen Croissants und einen Kaffee zum munter werden. Um 12 Uhr erwarteten uns zahlreiche Eltern, die Lehrer Monsieur Decamps und Monsieur Guinhut und natürlich 40 französische Austauschpartner, welche unseren Schülern und Schülerinnen freudig um den Hals fielen. Den Sonntagnachmittag verbrachten wir entspannt im Kreise der Familie. Am Montag begrüßten uns der Direktor mit Konrektor in der Kantine des Lycées (Schule) mit einem Frühstücksbuffet, wonach wir gestärkt den Marsch zur „Mairie“, dem Rathaus der Stadt, antraten. Geführt wurden wir von einem Freund Monsieur Decamps‘, welcher uns sehr anschaulich und einfühlsam in die erlebnisreiche französische Geschichte entführte und uns die Bedeutung und Symbolik der Französischen Republik sowie die der französischen „Marianne“ nahebrachte. Alles auf Französisch – bien sûr. Nach der Besichtigung des Gebäudes gelangten wir in die recht überschaubare Innenstadt, wo wir die Markthalle und das Stadtzentrum kennen lernen durften. Mittag gegessen wurde in der Schulkantine, auch am nächsten Tag und natürlich immer das volle Programm: „entrée, plat principal, dessert“ – wir sind schließlich in Frankreich.
Der Montagnachmittag und Dienstagvormittag waren dem Erkunden der unmittelbaren Landschaft um Niort herum gewidmet, wobei am Montagnachmittag die Theorie (das Ökosystem des Marais Poitevin) und am nächsten Tag die Praxis in Form einer Bootsfahrt auf dem Programm standen. Mit dem Bus fuhren wir an die Ausläufer des Sumpfgebietes, des sogenannten „Marais Poitevin“ und durchstreiften, geführt von zwei ortskundigen Franzosen, die idyllischen, von Eschen gesäumten und mit Algen bewachsenen Kanäle. Wir wurden unterrichtet von der Geschichte dieser künstlich erstellten Landschaft und durften in interaktiver Form die Ursachen für Flora und Fauna dieser Gegend erfahren. Obwohl die gesamte Führung auf Französisch war, wurde es nicht langweilig und die Schüler und Schülerinnen konnten ihre Sprachkenntnisse an den Mann bzw. an die Frau bringen. Wir waren in zwei Gruppen à 20 Personen aufgeteilt und trafen uns nach zwei Stunden wieder am Bus. Am Dienstag fuhren wir nach Coulon, einem kleinen Ort, an dem geführte Bootsfahren angeboten werden. Es hat ein wenig etwas von Venedig, wenn man im Boot sitzend durch die zahlreichen Kanäle geschippert wird, weswegen auf den Postkarten auch mit „La Venise Verte“ (das grüne Venedig) geworben wird. Insgesamt verbrachten wir gut zwei sehr entspannte und amüsante Stunden auf dem Wasser, aufgeteilt auf ca. acht Boote. Den Rest des Tages waren die Schüler in ihren Austauschfamilien. Auch am Mittwoch war ausführlich Zeit, um mit den „corres“ zusammen zu sein. So begleiteten wir die Franzosen den gesamten Tag in den Unterricht, der mittwochs generell am frühen Nachmittag endet. Ansonsten hat man nämlich in Frankreich immer bis ca. 17 Uhr Unterricht. Dass es noch viele andere Unterschiede zwischen dem deutschen und französischen Schulablauf zu entdecken galt, war klar und in den Pausen fanden sich im Foyer der Schule die deutschen Schüler zusammen, um sich angeregt über ihre verschiedensten Erfahrungen auszutauschen. Meist waren sie zu zweit in unterschiedlichen Klassen, Jahrgangsstufen und Unterrichtsfächern untergebracht worden. La Rochelle und damit eine Fahrt an die Atlantikküste war am Donnerstag geplant. Wir verließen mit dem „Büs“ früh morgens Niort und erhielten in La Rochelle angekommen erst einmal eine Stadtführung. Wieder in zwei Gruppen aufgeteilt, besichtigten wir die Wahrzeichen der Stadt, die drei Türme am Hafen und den Uhrenturm im Zentrum. Mittag gegessen wurde in der Stadt. Die meisten Schüler hatten von ihren Gastfamilien ein „pique-nique“ gemacht bekommen, andere gönnten sich ein „glace“, „crêpe“ oder „galette“. Danach durfte jeder die Innenstadt mit ihren unzähligen Läden und Souvenirshops auf eigene Faust erkunden, bevor wir uns drei Stunden später an der Touristeninfo zur Rückfahrt versammelten und am frühen Abend müde in Niort wieder eintrafen. Noch ein bisschen erschöpfter kamen wir am darauffolgenden Tag, dem Freitag, nach Hause zurück, was wohl an der frischen Seeluft gelegen haben mag, die wir uns an diesem Tag um die Nase haben wehen lassen. Lange hatten wir aufgrund des schlechten Wetterberichtes gezögert, ob wir die zweistündige Fahrt nach Ile d’Oléron überhaupt antreten oder lieber stattdessen Poitiers besuchen sollten. Die Meinung der Schüler war eindeutig: Sie wollten zum Strand und nachdem die Lehrer – zumindest auf Klassenfahrten - fast immer das tun, was die Schüler wollen und das Wetter einigermaßen stabil schien, beschlossen wir Freitagfrüh spontan Richtung Meer zu fahren. Wir haben diesen Entschluss nicht bereut und hatten einen sonnigen Aufenthalt am Meer. Einige ganz Tapfere sind sogar ins Wasser gesprungen. Auf der Rückfahrt war es angenehm still im Bus…
Doch junge Menschen sind bekanntlich nicht klein zu kriegen und so haben sich die wenigsten nehmen lassen, nach der Ankunft in Niort, den letzten gemeinsamen Abend mit ihren „corres“ noch gebührend zu feiern. Einige ganz harte Fälle sind am Samstagvormittag sogar noch mit ihren Austauschfamilien bis nach Poitiers ins Futuroscope, einem riesigen Kinopark, gefahren. Andere haben den Samstagsmarkt im Stadtzentrum besucht oder haben sich ausgeschlafen.
Gegen 17.30 Uhr haben wir uns dann alle genau an dem Ort versammelt, an dem wir rund eine Woche zuvor angekommen waren: dem Eingang des lycée „Jean Macé“. Der Abschied fiel vielen schwer, es flossen einige Tränen und das Ziel dieser Fahrt, die deutsch-französische Freundschaft zu pflegen, war eindeutig erreicht worden. Einige haben sich sogar versprochen noch in diesem Jahr wiederzusehen. So planen manche Franzosen das Coburger Sambafestival zu besuchen bzw. wollen einige Deutsche die Sommerferien an der Atlantikküste verbringen.
Als Art Belohnung dafür, dass es insgesamt eine so harmonische und gelungene Fahrt war, bei der alle Schüler und Schülerinnen immer pünktlich und absolut zuverlässig waren, sind wir auf der Rückfahrt nach Coburg noch über Paris gefahren und genau um 0.00 Uhr am Eiffelturm angetroffen, ausgestiegen, um noch ein wenig Großstadtluft zu schnuppern, bevor wir volltrunken von Unmengen an neuen Eindrücken im Bus einschliefen …
Um 12 Uhr Sonntagmittag kamen wir gesund, allerdings wenig munter in Coburg an und wurden von unseren Familien empfangen. Es war eine schöne Fahrt!
MERCI pour ce séjour fabuleux!
Annette Keßler und Matthias Benz
18.05.10 schmitt