China 2004/5

[Bericht der Lehrer] [Bericht der Schüler]


Die Casinfoniker in Shanghai

Im August 2004 brachen 36 CaSinfoniker in Begleitung von Herrn Spachmann, Herrn Hofmann und Frau Kick-Bernklau ins Reich der Mitte auf. Auf Einladung der Stadt Peking und der Deutschen Chinagesellschaft nahmen die CaSinfoniker am "High School Students' International Music Festival Wangfujing, Beijing" teil und konnten dort nicht nur ihr Können als vielseitiges Kammerorchester zum Besten geben, sondern auch zusammen mit jungen Menschen aus aller Welt musizieren. So spürte man deutlich, wie sehr die Musik Menschen verbinden und Brücken über alle geographischen und politischen Grenzen hinweg schlagen kann.

"Musik allein ist die Weltsprache und braucht nicht übersetzt zu werden, da spricht Seele zu Seele."


Dieses Zitat von Bertold Auerbach mag als Motto über dem Eröffnungskonzert des Internationalen Muikfestivals in Peking gestanden haben, zumindest wurde man daran erinnert, wenn man die rund 800 Mitwirkenden Schülerinnen und Schüler aus allen Teilen der Welt miteinander musizieren sah und hörte. Das gemeinsam vorgetragene Programm war denn auch weltumspannend: Der Bogen spannte sich vom bombastisch für großes Orchester und Chor arrangierten chinesischen Volkslied "Maoli hua" (Jasminblumen) über Teile aus dem Finale von Beethovens Neunter (im originalen Tonsatz!), darunter das von allen Chören auf Deutsch gesungene "Freude, schöner Götterfunken", bis hin zum englischen "Should auld aquaintance" und dem unvermeidlichen "Radetzkymarsch" als Zugabe.

Innerhalb dieses Rahmens erklangen typische Instrumental- und Vokal-Sätze aus dem Kulturraum der teilnehmenden Nationen. Außerhalb des musikalischen Programms hatten wir Gelegenheit, Peking und seine Umgebung kennen zu lernen und besichtigten den Himmelstempel, die Verbotene Stadt, den Tiananmen Platz, einen Nationalitätenpark, den Sommerpalast und die Große Mauer. Eine ganz besondere, intensive Möglichkeit, die chinesische Kultur zu erleben, hatten die Schülerinnen und Schüler in ihren Gastfamilien, wo sie sowohl in der ersten Woche in Peking als auch in der zweiten Woche in Hangzhou untergebracht waren. Hautnah zu erleben, wie die Menschen leben, essen, kommunizieren, wie sie ihren Alltag in der Schule und zu Hause gestalten, ist schon eine besondere Erfahrung. Wenn man dann merkt, dass, trotz der sprachlichen Schwierigkeiten, die sich doch immer wieder ergaben, wunderbare Begegnungen stattfinden, interessante Beziehungen entstehen, und wenn am Ende tränenreich Abschied feiert, dann spürt man, auf welch unterschiedlichen Ebenen Kommunikation stattfindet und wie wichtig der persönliche Kontakt zu Menschen in anderen Ländern ist.

Hangzhou ist eine Millionenstadt etwa 1400 km südlich von Peking und 300 km westlich von Shanghai. Die dortige Bao Chu Pagoda Experimental High School ist eine Schule, die mit 3500 Schülern und 230 Lehrern sowohl Primary School, als auch Middle und High School umfasst. Wir durften trotz Ferienzeit chinesischen Unterricht in Musik, Kalligraphie und Kunsthandwerk erleben und lernten die Umgebung Hangzhous mit dem wunderschönen West Lake und den Teeplantagen kennen. Auch in Hangzhou diente die Musik als Brücke zwischen den Kulturen. Spannend für uns waren besonders die traditionellen Klänge der chinesischen Bambusflöte und von den Saiteninstrumenten Erhu und Pipa. Ihr Interesse an der traditionellen europäischen Musik bewiesen unsere Gastgeber durch den Auftritt zahlreicher Solisten mit Violine, Querflöte, Klarinette und Klavier. Unsere CaSinfoniker hingegen glänzten als Team und beeindruckten wieder ihr Publikum.

Die letzten Tage standen im Zeichen des touristischen Programms. Nach dem Besuch verschiedener Gärten, Tempel, Städte und Sehenswürdigkeiten war der krönende Abschluss Shanghai mit seiner Skyline und dem vierthöchsten Gebäude der Welt, dem Jin Mao Tower.


Bao Chu Pagoda School Hangzhou zu Besuch am Casimirianum

Im April 2005 kamen dann 45 chinesische Schülerinnen und Schüler zwischen 11 und 17 Jahren in Begleitung von sechs Lehrern und zwei Dolmetschern zum Gegenbesuch für eine Woche nach Coburg und wurden ebenso in casimirianischen Gastfamilien untergebracht. Das Programm umfasste Stadtführungen, Wanderungen, Betriebsbesichtigungen, den Besuch des Thermalbads in Bad Rodach, eine Orgelführung und natürlich Unterrichtserfahrungen.

Ein gemeinsames Konzert chinesischer und deutscher Musiker in der Morizkirche war der Höhepunkt des Austausches. Im beeindruckenden Ambiente der Morizkirche musizierten Gruppen und Solisten der Bao Chu Pagoda Experimental-School unter der Leitung ihres Musiklehrers Jin En Jun mit den CasiBrass-Ensemble und dem großen Orchester der CaSinfoniker mit Hans-Jürgen Hofmann als "Conductor" (mitgebrachter Scherz aus Peking). Bereits im Vorfeld war das Interesse der Coburger Bevölkerung durch Plakate und Einladungsschreiben geweckt worden, wobei sich das Kulturbüro unter der Leitung von Herrn Tauer als hilfreicher Partner auszeichnete. So war es kein Wunder, dass die Kirche auch ohne "Besuchs-Pflicht" der Schulgemeinde voll besetzt war. Die vielen Gäste wurden nicht enttäuscht, der begeisterte Applaus und die "standing ovations" am Ende des Konzerts, sowie das Presse-Echo in den Coburger Tageszeitungen machten dies überdeutlich.

Beim deutsch-chinesischen Abschiedsabend wurden begeistert Erfahrungen zwischen Gasteltern und Schülern ausgetauscht, bevor die Gäste am 3. Mai zu ihrer Europareise (über Köln, Amsterdam, Brüssel, Paris etc.) aufbrachen.

Inwieweit dieser Austausch einmalig bleiben oder aber zu einer regelmäßigen Institution zwischen den beiden Schulen Casimirianum und Bao Chu Pagoda School werden wird, muss die Zukunft zeigen. Das Interesse daran ist auf jeden Fall sehr groß. Wir bedanken uns bei allen, die diese Reise möglich gemacht haben, für diese außergewöhnliche Erfahrung.

Ursula Kick-Bernklau, Hans-Jürgen Hofmann



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