China 2004/2005

[Bericht der Lehrer] [Bericht der Schüler]

Die CaSinfoniker und Conductor Hans entdecken das Reich der Mitte

Altenstein ist normalerweise das bevorzugte Reiseziel der CaSinfoniker. Ein kleiner, beschaulicher Ort mit frischer Luft, einer sehenswerten Burgruine und einem Schwimmbad als "Highlight". Gäste werden dort im bekannten CVJM-Heim untergebracht und ins Schwitzen kommt man nur beim allabendlichen Fußballmatch.
Insider erkennen hier schon den Kontrast zur Orchesterfahrt im letzten August. Denn das Reiseziel war kein ruhiges Dorf in den Hassbergen, sondern ein Staat, der immerhin ein fünftel der Weltbevölkerung beheimatet: China. Dorthin folgten die Mitglieder des Kammerorchesters der Einladung der "Deutschen Chinagesellschaft" zur Teilnahme am internationalen Musikfest in Peking und zum Besuch einer Schule in der Stadt Hangzhou, die das Direktorat kurz vor den Osterferien erreichte. Nachdem Ziel und Ablauf der Reise in den darauf folgenden Wochen etwas klarer wurden, begann man mit den anstrengenden und vielfältigen Vorbereitungen: Sponsoren auftreiben, sich mit den chinesischen Veranstaltern und Fluggesellschaften herumärgern, die oft sehr widersprüchliche Informationen herausgaben, Chinesisch bei Frau Kirchner lernen, Reiseführer und (zu wenige) Gastgeschenke kaufen und natürlich auch proben.

Und am 23.08.2004 war es dann so weit: 42 Musiker und Begleitpersonen brachen um 13.00 Uhr vom Schulhof der Pestalozzi-Schule mit Sack, Pack und Instrument in Richtung Frankfurter Flughafen und von dort in Richtung Volksrepublik auf. Nach einem zehnstündigen Flug in der Hauptstadt Peking angekommen, hofften die meisten, von Zeitverschiebung und Hitze geplagt, möglichst schnell in eines der angekündigten, luxuriösen Hotelzimmer zu gelangen. Diese Hoffnung beruhte aber scheinbar auf einer Fehlinformation. Denn nach dem Mittagessen in einem Pekinger Hotel, bei dem erste Erfahrungen mit der chinesischen Esskultur gemacht wurden, brachte man die Deutschen in die Hongzhi-Middle-School. Dort wurden sie von einer Gruppe Festival-Organisatoren und meist jugendlichen Dolmetschern in den Ablauf des einwöchigen "High School Students' International Music Festival, Wangfujing, Beijing, China" - wie der imposante Name lautet - eingeführt. So erfuhren die Coburger, dass sie in chinesischen Gastfamilien untergebracht würden, und bekamen rosafarbene T-Shirts und Mützen mit dem Festival-Logo ausgehändigt. Die Freude darüber hielt sich zu diesem Zeitpunkt in Grenzen. Dennoch fuhr man nach einer kleinen Erholungspause ins Beijing-Hotel zum Eröffnungsbankett. Bei diesem Bankett, das seinen Namen wirklich verdiente, bekamen die Coburger zum ersten Mal die erstaunlichen Ausmaße dieser Festwoche zu spüren. In dem riesigen Saal befanden sich nämlich über 800 Schüler und Lehrer aus Australien, Österreich, Kanada, Japan, Korea, Mexiko, Schweden, Großbritannien, Amerika und natürlich aus China und Deutschland. Und obwohl man zuerst vermutete, dass die vielen Journalisten von Zeitung, Radio und Fernsehen nur wegen des reichlichen und hervorragenden Essens gekommen waren, kamen einige Mitglieder des "China-Orchesters" nicht um das eine oder andere Interview herum.

  

Mit gut gefülltem, aber dann doch irgendwie flauem Magen kehrten die deutschen Gäste dann ein paar Stunden später zur Pekinger Schule zurück, wo sie mit Deutschland-Fähnchen, Geschrei und einem Blitzlichtgewitter empfangen wurden wie bei uns nur Superstars. Anschließend wurden die Europäer auf sehr bürokratische Weise in ihre Gastfamilien verteilt und sich selbst und den jeweiligen Gastgebern überlassen.

In den kommenden Tagen in Peking machten die Casimirianer eine Fülle an neuen Erfahrungen und lernten viel über chinesische Kultur und Lebensweise. Und nicht an alles konnten sie sich auf Anhieb gewöhnen. Da waren zum einen die Toiletten- und Duscheinrichtungen, die manchmal ganz durch Abwesenheit glänzten, manchmal in ungewohnter Form und mit mangelhafter Hygiene auftauchten, und zum anderen der chinesische Straßenverkehr. Letzterer war neben Autos besonders auch von Fahrrädern geprägt und verursachte schon mal Übelkeit bei manch StVO-verwöhntem Deutschen. Auch die Hitze war für die Besucher ungewohnt, da trotz hoher Temperaturen kein Sonnenstrahl durch den SMOG der Hauptstadt gelangte.

  

Die berühmtesten Sehenswürdigkeiten Pekings lernte die Reisegruppe während der durch die Festival-Leitung organisierten Besichtigungs-Touren kennen. Auf dem Programm standen unter anderem die Chinesische Mauer, der Himmelstempel, die Verbotene Stadt und der Sommerpalast. Diese Besichtigungen waren zwar optisch eindrucksvoll, aber in Ermangelung einer Führung (und vielleicht auch der Bereitschaft diese Lücke mit Hilfe eines Reiseführers zu schließen) leider wenig informativ.

  

Einblicke in das chinesische Privatleben erhielten die Coburger natürlich vor allem in ihren Gastfamilien, wobei die Erfahrungen hier recht unterschiedlich ausfielen. Im Allgemeinen wohnten die Chinesen in (für europäische Verhältnisse) recht kleinen Hochhauswohnungen. Diese waren aber gepflegt und gut eingerichtet. Die Gastgeber bemühten sich sehr, ihren Gästen jeden Wunsch von den Lippen abzulesen, was auch wegen der Verständigungsschwierigkeiten öfter nötig war. Und so erlebten wir die Chinesen als ein gastfreundliches Volk.

Aber nicht nur mit Chinesen konnten wir uns austauschen, sondern auch mit Jugendlichen vieler anderer Nationen. Und das vor allem, aber nicht nur, auf musikalischer Ebene. Dreimal konnten die CaSinfoniker bei den Konzertabenden ihr Können unter Beweis stellen und hatten auch die Möglichkeit mit ihren chinesischen Kollegen zusammen zu musizieren.

  

Dabei, wie auch bei allen anderen Tätigkeiten, mussten sie sich mit den zu jeder Zeit präsenten Kameraleuten abfinden. Dieses Medieninteresse fand seinen Höhepunkt mit der Einladung der Deutschen in eine chinesische Jugend TV-Show. Drei Deutsche und zwei Chinesische Schüler stellten dort ihre Instrumente vor und antworteten geduldig auf die Fragen der Moderatorin und des Publikums.

  

Am 10. August ging dann eine anstrengende Woche in Peking zu Ende und die Coburger fuhren, jetzt zum ersten Mal wieder ohne ihre rosa T-Shirts, mit dem so genannten "Schlaffenwagen" nach Hangzhou. Am Morgen des 11. August dort angekommen, ging es vom Bahnhof gleich weiter in die künftige Partner-Schule, die Bao Chu Pagoda High School. Hier wurden die Gäste wiederum, wie auch in Peking schon, von ihren Gastfamilien abgeholt und verlebten den Rest des Tages mit diesen zusammen.

Die sechs Tage in Hangzhou gestalteten sich vielfältig, wobei der Aufbau der Schulpartnerschaft und der Austausch zwischen chinesischen und deutschen Schülern im Vordergrund standen. So bekamen die Gäste, obwohl eigentlich gerade Ferien waren, Unterrichtsstunden in chinesischer Kunst, Kalligraphie, Handarbeit, traditioneller Musik und Kung-Fu. Eine Führung durch die beeindruckend große Schule und Diskussionsrunden mit chinesischen Schulamtsleitern, Lehrern und Schülern verschafften weitere Einblicke in das chinesische Schulsystem. Auf dem Sportplatz konnten die Deutschen dann der chinesischen Schulmannschaft zeigen, warum die Fußball-WM 2006 in Deutschland stattfindet und siegten schließlich mit 3:1.

  

Auch in Hangzhou war wieder ein umfangreiches Besichtigungsprogramm zusammengestellt worden. Neben der lokalen Attraktion, dem "Westlake", bekamen die Casimirianer auch eine chinesische Getränkefirma, ein Seidenmuseum und verschiedene andere touristische Höhepunkte zu sehen. Bei einem Schulorchester durfte natürlich auch in dieser Stadt die Musik nicht zu kurz kommen. Aus diesem Grund gab es ein Konzert für die chinesischen Schüler und Eltern zusammen mit der schuleigenen Blaskapelle und verschiedenen chinesischen Einzelinterpreten.

Am Abend des 16.08. fand dann ein großes Abschiedsessen statt, bei dem kein Auge und vor allem aber keine Kehle trocken blieb. Und am nächsten Morgen, nach der letzten Nacht in einer chinesischen Familie, brach die Reisegruppe zu ihrer letzten Etappe auf: drei Städte in vier Tagen.

Das erste Ziel hieß Wuxi.. Hier stand die Besichtigung des Taihu-Sees, einer Filmstadt und des Xihui-Gartens auf dem Programm, die durch den deutschsprachigen Reiseführer erläutert wurden.

  

Am nächsten Tag fuhr die Gruppe weiter nach Suzhou. Auch hier wurden wieder Sehenswürdigkeiten, wie z.B. ein weiterer chinesischer Garten, eine Seidenfabrik und ein buddhistischer Tempel, besucht und erläutert. Allerdings ließ die Aufmerksamkeit der Jugendlichen durch zunehmende Müdigkeit etwas nach. Wiederum einen Tag später besuchten die Coburger die "Wasserstadt" Zhouzhuang, eine Art asiatisches Venedig.

Anschließend führte der Weg in die Weltmetropole Shanghai. Die besondere Bewunderung galt hier natürlich vor allem dem Meer aus modernen Hochhäusern, das immer wieder durch alte, verfallene Bauten unterbrochen wurde. Nachdem man sich dann im "New Century Hotel" eingerichtet hatte, machte man sich wieder auf zu einer Stadtbesichtigung bei Nacht, die einen sichtbar bleibenden Eindruck bei den Besuchern hinterließ. Am nächsten Morgen machten die Deutschen noch Bekanntschaft mit der Altstadt Shanghais, die durch ihre erstaunlich niedrigen Häuser auffiel. Im Anschluss erklommen die Coburger das derzeit vierthöchste Gebäude der Welt, den JinMao-Tower. Trotz der 420,5 Metern Höhe war die Sicht jedoch wieder wegen der starken Luftverschmutzung beschränkt. So verursachte der Blick durch ein Loch in der Mitte des Gebäudes vom achtzigsten auf den vierzigsten Stock größere Schwindelgefühle, als der Blick nach draußen. Weitere Besichtigungspunkte waren das Shanghai-Museum, das zu diesem Zeitpunkt auch eine Ausstellung über Römische Kunst beherbergte, und der gigantische Fernsehturm. Am 21.08. hieß es dann Abschied nehmen von der Volksrepublik. Und das erste, wenigstens zum Teil Deutsche, das die Fernostreisenden wieder zu Gesicht bekamen, war der Transrapid. Dieser brachte die Heimkehrenden mit einer Geschwindigkeit von 431 Kilometern pro Stunde zum Shanghaier Flughafen. Von dort brachen sie dann, voll bepackt mit Souvenirs und Geschenken, zu einem zwölfstündigen Heimflug auf.

  

Und obwohl vor der Abreise aus Deutschland vieles über den Verlauf der Reise unklar gewesen war, haben sich (beinahe) alle Befürchtungen als unbegründet erwiesen. Und auch wenn vieles nicht so gelaufen ist wie es ursprünglich geplant war oder gerade deswegen, bot diese Reise für alle Beteiligten einen unvergleichlichen Einblick in die chinesische Lebensweise, wie man ihn als Einzelreisender wohl nur schwer bekommen kann. Im November 2004 wurden dann beim Chinaabend in chinesischem Ambiente mit chinesischer Musik, chinesischen Kleidern und einem chinesischen Buffet Erfahrungen ausgetauscht, Bilder vorgeführt und so manche Anekdote erzählt.

Die CaSinfoniker bedanken sich bei allen, die diese großartige und erlebnisreiche Reise möglich gemacht haben.

P. Tschech (Text), R. Bernklau (Bilder)



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