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Riten
und Bräuche Coburgs aus der Sicht Herodots
Wer
kennt nicht Herodot, den Vater der Geschichtsschreibung? Herodot reiste
gern und viel, um Stoff für seine Werke zu sammeln. Wir stellen uns
jetzt vor, dass Herodot, der ca. 450 v.Chr. lebte, eine ungewollte Zeitreise
ins Jahr 2000 unternimmt (die genaueren Ursachen dieser Zeitreise werden
wir nicht weiter erläutern, da dies für einfache Geister zu komplex
wäre!). Am 2.Juni 2000 tritt Herodot in unsere Zeitebene ein. Als
er, von der Zeitreise sehr mitgenommen, das erste Mal die Augen öffnet,
findet er sich auf einem freien gepflasterten Platz wieder, doch es ist
nicht etwa Athen, sondern Coburg (eine kleine Provinzstadt im ehemals ostgermanischen
Raum). Historiker fanden handschriftliche Aufzeichnungen, die Herodot vor
seiner Abreise hier hinterließ. Die einzige Übersetzung dieser
weltgeschichtlich bewegenden Dokumente wird hier nun zum ersten Mal veröffentlicht:
"Und
es ward mir, als wäre ich durch Olymp und Hades gegangen, als ich
benebelt mich in dieser Welt wiederfand, wo mir die seltsamsten aller Menschen
begegneten, auf die ich bisher in all meinen Reisen getroffen bin. Ich
erwachte also auf diesem mit Steinen gepflasterten Marktplatz, mit einem
Denkmal im Mittelpunkt, wohl eines ihres Herrschers. Ein skythischer vielleicht,
denn er war auf einem Pferd abgebildet, doch warum er eingezäunt war,
kann ich nicht erzählen. Seltsam gekleidete Menschen, vielleicht Priester,
mit gefärbtem Haar, saßen um ihn herum und machten seltsame
Geräusche und tranken und verschütteten etwas... vielleicht ein
Opfer für ihren Herrscher. Auch ein Brandopfer wurde dargebracht,
gleich in der Nähe. Frauen in weißen Gewändern verbrannten
kleine Fleischstücke in einem kleinen Haus. Es war sehr seltsam, dass
die Bürger diese Opfergaben aßen. Manche opferten Münzen
an diese Priesterinnen, manche gaben ihnen Papyrus. Ich bemerkte weiterhin,
dass vor allem die jungen Bürger dieser Stadt - die sich später
noch als Großstadt, ich vermute sogar Hauptstadt herrausstellen wird
- ständig auf etwas kauen. Ich weiss nicht welchen Sinn es hat, aber
entweder ist es ein Teil des Opferrituals oder einfach nur ein Zeitvertreib.
Weiterhin fielen mir seltsame, riesige Kästen mit Rädern auf,
die ihnen wohl zur Fortbewegung dienen. Ich wollte einen dieser Bussoi,
wie sie sie in ihrer Sprache nennen, betreten. Obwohl sie weder Pferde
noch irgendeine andere Art Lebewesen davorgespannt hatten, fuhren sie doch,
wohl durch irgendeinen Zauber der Oberpriester. Als ich jedoch einsteigen
wollte, stieß ich gegen eine unsichtbare Wand. Ich betastete diese,
und plötzlich öffnete sich diese ohne mein Zutun und ich betrat
dies eigenartige Gefährt. Ein Mann, der im vorderen Teil dieses Gefährts
saß, auf einem vom Rest des Wagens abgetrennten Thronsessel, hielt
mich auf und sprach unverständliche Worte zu mir. Nach einiger Zeit
erklärte er mir anhand von Handzeichen, dass ich wohl eine Art Geld
benötigte, um dieses Gefährt nutzen zu dürfen. Sodann stieg
ich wieder aus und lief einen ihrer gepflasterten Wege entlang. Nachdem
ich etwa die Entfernung eines Stadions zurückgelegt hatte, stach mir
eine Menschenschlange ins Auge, die wohl in eines ihrer Gebäude, vielleicht
einen Tempel, führte. Meiner Neugier nachgebend reihte ich mich ein
und nach einer längeren Weile wurde ich gewahr, dass ich mich bei
einer Art Essensverteilung befand. In meine Nase Drang ein sehr fettiger
Geruch, den ich zuvor noch nie wahrgenommen hatte. Ich sah, wie sich die
Menschen rundliche, mit verbranntem Fleisch und grünlichen Pflanzen
belegte Scheiben gierig in ihre Münder steckten und aus seltsamen
Behältern tranken. Da sich, wohl durch den Geruch, ein unbehagliches
Gefühl in meinem Bauch verbreitete, verließ ich diese Stätte
und widmete mich weiterhin der Erforschung dieser Stadt. Einige Schritte
weiter erhob sich ein mächtiger Turm, an den eine Art Palast angrenzte.
Dieser Palast bestand fast ausschließlich aus diesen seltsamen durchsichtigen
Wänden, die mir schon bei den Bussoi aufgefallen waren. Im Inneren
waren glänzende Marmorplatten ausgelegt, und viele Menschen saßen
auf seltsam hohen Sitzen an Tischen, die keinem glichen, den ich in meinem
bisherigen Leben gesehen hatte. Dort saßen Bürger und tranken
aus kleinen, weißen Behältern eine schwarze Flüssigkeit,
bei deren Anblick mich ein Schaudern überkam. Als ich hinaussah, sah
ich viele andere seltsame Gefährte, die einen bewegten sich auf zwei
Rädern und dröhnten aus mir unbegreiflichen Gründen. Die
anderen waren zwar kleiner als die Kästen auf dem freien Platz, ruhten
aber ebenfalls auf vier Rädern. Als ich diesen Tempel wieder verließ,
fielen mir Fußgänger auf, die an bunten, runden Kugeln leckten,
die als eine Art Nahrung zu dienen schienen. Ich verfolgte diese Spur bis
zu einem Markthändler gleich gegenüber zurück, der in einem
gemauerten Stand diese sonderbare Speise verkaufte. In den verschiedensten
Formen und Farben begegnete mir dies. So stand ich nun dort in dieser vielbelebten
Straße, als ich ein lautes Rattern hörte, und ehe ich mich danach
umdrehen konnte, stieß mich ein Jüngling auf einem rollenden
kleinen Holzbrett von hinten um. Ich fiel zu Boden, doch ihn schien dies
nicht weiter zu kümmern, er raste weiter auf diesem Gefährt und
ich konnte nur hoffen, dass dies in Athen wohl niemals aufkommen würde.
Gerade erholt von diesem hinterhältigen Angriff vernahm ich eine laute
Stimme, die eine Art Lied zu schreien schien. Ich entdeckte den Ursprung
dieses grauenhaften Gesangs, es war ein Mann, der mit einem zweirädrigen
Gefährt unterwegs war und sich auch in seiner Kleidung von den anderen
unterschied, da er nur sehr leicht und mit Sandalen bekleidet war. Auf
die Bitte einiger Bürger hin doch seinen Gesang zu unterlassen, reagierte
er sehr ärgerlich und setzte sogleich sein Geschreie fort. Eine sehr
sonderbare Zeit, in der ich mich hier befand, ein sonderbares Volk mit
seltsamen Bräuchen und Riten, die mir in keinem anderen Lande auf
meinen Reisen zuvor begegnet waren.
Nun
lief ich eine kleine Seitenstraße entlang und stieß auf eine
riesige Versammlung, die einen Kreis um einen Mann gebildet hatte, der
auf einem Podest eine Rede hielt. Dieser Mann schien mir ein Gelehrter
zu sein, wohl einer der hiesigen logioi, da er von allen gerühmt
und beklatscht wurde, nachdem er mit seiner Rede geschlossen hatte. Danach
stiegen andere auf eine Leiter, die wohl ihrem Glanze nach aus echtem Silber
bestehen musste. Einer von ihnen trug einen großen Lorbeerkranz und
legte ihn auf das Haupt einer Gottheit, die wohl ihr Gott des Genusses
und der Freude sein musste, da er einen sehr wohlgenährten, rundlichen
Körperbau aufwies. Der Oberste derer, die diese Leiter bestiegen hatten,
trank eine gelbliche Flüssigkeit, auf der sich Schaum befand, und
warf sodann den Behälter, in dem sich dies merkwürdige Getränk
befand, hinunter, wo es in tausend Splitter zersprang. Nachdem dies geschehen
war, strömte die Menge zusammen und sammelte die Scherben auf, wohl
um dieses Gefäß wiederherzustellen.
Sicherlich
gibt es hier noch vieles für mich zu entdecken, was ich dann in meinen
Schriften festhalten und an mein Volk weitergeben kann. Doch nun muss ich
mein altes Gemüt etwas ausruhen, um morgen meine Erkundungen fortsetzen
zu können.
Im
Schlaf wird Herodot vom selben Phänomen wieder zurück in sein
altes Athen geschleudert. Als er dort wieder erwacht, hält er sein
Erlebnis für einen Traum und berichtet deshalb nicht darüber
in seine historischen Aufzeichnungen, die uns heute noch erhalten sind. |
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