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1.Bericht
Nachdem
ich mit Hilfe meines Assistenten Alexandros meine Zeitreise begonnen habe,
muss ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass ich nicht im Griechenland
der Neuzeit gelandet bin, sondern im Land der Barbaren, das sich Deutschland
nennt.
Was
ist nur aus der guten, alten Welt geworden?
Diese
Barbaren ehren nicht einmal die Götter, für sie gibt es - wenn
es ihn für sie überhaupt gibt - nur einen Gott. Der Mensch, der
mich so freundlich aufnahm, wohnt in einem sehr hohen Haus, wie ich es
selbst aus Athen nicht kenne. Dieser gebildete Herr - welcher eine gewisse
Ähnlichkeit mit Sokrates hat - nahm mich mit in den "Stadtkern", wie
er es nannte. Dieser gleicht in keiner Weise unserer ehrwürdigen Agora.
Die
Götter, die ich verehre, müssen im Land der Barbaren arbeiten,
doch was für kümmerliche und knechtische Arbeiten müssen
sie verrichten!!! Der Olymp wurde in eine Herberge
umgewandelt, offenbar sind sie so verarmt, dass sie ihre Götterwohnungen
vermieten müssen. Zeus bietet Strom an (mein freundlicher Gastgeber
hat mir erklärt, dass Strom das ist, was diese merkwürdigen Glaslampen
zum Leuchten bringt). Darunter kann ich mir garnichts vorstellen. Hera
betreibt gleich mehrere Geschäfte, um sich ihren Lebensunterhalt zu
verdienen. Was im alten, gelobten Griechenland unmöglich, ja verboten
war, ist hier offenbar nicht nur erlaubt, sondern auch nötig, wie
es mir scheint. Die Göttin Hera besitzt eine
Papyrusverarbeitungsfabrik, sie kümmert sich um Zeugnisdruck (das
ist das, was Schüler von ihren Lehrern erhalten, es soll ihre Leistungen
bewerten und sie dazu anregen, diese zu verbessern. Sogar Mädchen
und Ärmere dürfen das Gymnasion besuchen - O Zeiten, O Sitten
!!). Man kann sich auch bei ihr eine Yacht chartern. Eine Yacht ist ein
sehr schnelles Schiff, das unseren Schiffen überhaupt nicht ähnelt.
Diese Yacht, die ich sah, gehört einem Freund des Menschen, der mich
aufnahm. Ich werde mich nicht auf dieses Gefährt wagen, vielleicht
könnte ich es mit dem Leben bezahlen. Der Gang in die Stadt ermüdete
mich; ich werde meinen Bericht morgen fortsetzen.
Es
grüsst dich dein Freund Thukydides.
2.
Bericht
Chaire,
file !
Nun
werde ich meinen Bericht fortsetzen. Obwohl der Straßenlärm
mich mehrmals weckte, bin ich einigermaßen ausgeruht. Auf der Straße
bewegen sich merkwürdige Gefährte auf vier Rädern. Mein
Freund nennt sie Autos. Sie werden nicht von Pferden oder Ochsen
gezogen, sie scheinen sich von alleine fortzubewegen und verursachen einen
solchen Lärm, dass selbst Tote aufwachen. In diesen Autos sitzen die
Menschen, die dieses Gefährt steuern. Ich sah ein Auto, welches den
Namen "Fiat Ulysse" trug; ich könnte mir
vorstellen, dass man mit diesem Gefährt wie Odysseus auf eine lange
Irrfahrt gerät. Auch fiel mir ein sehr großes Gefährt auf,
welches Bus genannt wird, es trägt die Aufschrift Ikarus.
Bedeutet dies, dass dieser sogenannte Bus abstürzt, sich wie Ikarus
in die Lüfte begibt oder genau in der Mitte der Straße fährt?
Das hört sich alles sehr gefährlich an und ich werde mit Sicherheit
nicht in dieses Gefährt steigen. Doch nun will ich dort fortfahren,
wo ich gestern aufgehört habe. Der Götterbote Hermes
verdient sich sein Geld, indem er einen Versand leitet, bei dem man sich
Schriften in allen Sprachen und andere mir unbekannte Sachen bestellen
kann. Angeblich soll er sie blitzschnell - wie man es von ihm gewohnt ist
- ausliefern. Poseidon hat, wie ich gestern bei einem Spaziergang mit einem
Freund sah, bietet weiterhin im Meer seine Dienste an und geleitet Sterbliche
unter Wasser. "TSC Poseidon" steht an seiner
Behausung. Mein Freund erklärte mir, dass man bei der Reise unter
das Wasser ein Gefäß voll Luft, welches über ein biegsames,
hohles Rohr mit dem Mund verbunden ist, benötigt, so dass man unter
Wasser atmen kann. Diese Tätigkeit scheint mir passend für ihn,
da er hier ganz in seinem Element ist. Demeter, die Göttin der Fruchtbarkeit
und des Getreidebaus, sah ich in einem Laden arbeiten, der den Namen "Demeters
Naturkost" trägt. Sie verkauft dort getrocknete Früchte,
Getreideschrot und vieles andere mehr, was sehr gesund sein soll. Das glaube
ich nicht, da viele der Frauen und Männer, die dort einkaufen, blass
und verschrumpelt aussehen. Mein Freund überredete mich, einige ihrer
Waren zu versuchen, doch ihr Brot hatte einen ganz anderen Geschmack als
das, welches mein Freund zu sich nimmt. Auch die getrockneten Früchte
haben einen ganz anderen Geschmack als die, die ich im guten, alten Griechenland
zu mir nahm. Doch nun will ich in meinem Bericht fortfahren.
Artemis
eröffnete eine Fabrik (das ist ein Haus, welches grösser als
ein Tempel ist; dort werden verschiedene Dinge hergestellt) für Kautschuk
- was das ist, fand ich noch nicht heraus - und Kunststoff (das hat mit
der Kunst nichts zu tun). Leider war es mir noch nicht möglich herauszufinden,
was dies ist, ich nehme an, dass es nichts Angenehmes sein wird, da sich
das Wort "Kautschuk" schon merkwürdig genug anhört.
Aphrodite,
die dem Schaum des Meeres entstiegen ist, hat eine Herberge eröffnet.
Sie scheint recht nett zu sein, wie ich es einigen Bildern entnehmen konnte,
die mir mein Freund zeigte (diese Bilder ähneln in keiner Weise denen,
die ich davor jemals sah; sie sind auf einem merkwürdig glänzendem
Papyrus, jedoch nicht gemalt). Wo ist sie da nur gelandet ?
Während
mein Gastfreund und ich nun weiter liefen, sahen wir das Heiligtum des
"Asklepios". Offenbar ist das wie damals
Epidauros ein Ort, wo sich Kranke heilen lassen können. Warum opfern
sie dem Asklepios nicht, wenn sie ihre Heilstätte mit seinem Namen
betiteln? Das hätte im alten Hellas keiner gewagt! Opfer bringen sie
lediglich den Priestern, die in weißen Gewändern im Tempel herumlaufen,
das aber überreichlich
Hestia,
die Göttin des Herdfeuers, besitzt einen eigenen Verlag. Das bedeutet,
dass sie Schriften herausgibt, die sie an Händler verkauft. Doch warum
wählte sie diese Tätigkeit? Verbrennt sie die Schriften, die
ihr nicht zusagen? Vielleicht verbrennt sie auch diejenigen, die diese
Schriften verfassten. Mich wundert es, dass sie gerade diese Tätigkeit
wählte, doch in dieser Welt vewundert mich gar Vieles. Du und Alexandros,
ihr solltet mir doch nicht nachfolgen, denn diese Welt ist zu gefährlich.
Denkt daran, dass ich eigentlich an einen völlig anderen Ort geriet,
denn eigentlich wollte ich ja einfach nur um 100 Jahre versetzt werden.
Doch
nun schließe ich meinen heutigen Bericht. Grüsst doch bitte
auch meine geliebte Frau Meta, sie soll auf mich warten, ich werde sicher
zurückkehren.
Dein
Thukydides
3.Bericht
Chaire,
file!
Nun
werde ich meinen Bericht fortsetzen. Und wieder sind mir in der Stadt merkwürdige
Sachen begegnet. Prometheus, der die Menschheit erschaffen hat, stellt
Bauelemente her. Bauelemente sind Ziegel- und Steine aus Ton, die in keiner
Weise unseren Baumaterialien gleichen. Auch werden kaum noch Gebäude
aus Marmor errichtet; die meisten Gebäude sind einfach nur weiß,
doch so schön wie unsere griechischen Gebäude sind sie nicht.
Bis jetzt habe ich auch noch keinen einzigen Tempel in dieser Stadt gesehen.
Mein Freund nahm mich mit in einen Laden, wo er ein Geschenk für seine
Angebetete erwerben wollte.
Dort
gab es vor allem Duftwässerchen zu kaufen, das hier Parfum
genannt wird. Mein Freund kaufte ein solches Parfum mit dem Namen "Sirene",
mit dem er wahrscheinlich seine Geliebte betören und sie ewig an sich
binden will. Durch diesen ganzen Duft in dem Laden verspürte ich Durst;
daraufhin führte mich mein Freund in eine Bar, wo es das Göttergetränk
Punica gab, welches eine purpurrote Farbe besaß
und seinen Namen wahrscheinlich von Punicus hat. Neben dieser Taverne befand
sich ein Versandhaus namens Orion, welches eigenartige
Dinge anbot. Mein Freund meinte, dass das Sachen seien, mit denen man sein
Liebesleben in Schwung bringen kann. Wenn man am Himmel das Sternbild Orion
sehen kann, wirkt sich das auch auf das Liebesleben aus. Schon wieder sah
ich an der nächsten Straßenecke eine Herberge. Diesmal mit dem
Namen "Midas". Möglicherweise werden dort
alle Gegenstände, die man berührt zu Gold, was sich allerdings
negativ auf die Nahrung auswirken könnte. Die Folge daraus wäre
der Hungertod!
Ein
Blick auf das Horologium meines Gastgebers zeigt mir, dass meine Reise
sich nun zu ihrem Ende neigt, denn ich muß weiter zu einem anderen
Freund, der auf der Insel Lesbos zu Hause ist. Mein Freund teilte mir allerdings
mit, dass ich mich in Acht nehmen soll, denn es geht das Gerücht um,
dass auf dieser Insel ziemlich viele Frauen zusammenleben und auch ihr
Schlafzimmer miteinander teilen. Männer seien dort unerwünscht,
da sich diese sogenannten Lesben nichts aus dem starken Geschlecht machen.
Nun, mein Freund, schließe ich meinen Bericht und hoffe dich bald
wiederzusehen.
Dein
Thukydides |
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