Griechisch 2000
9. und 10. Klasse

In den ersten beiden Jahren des Griechischunterrichts stehen Wortschatz und Grammatik im Mittelpunkt. In den 150 Lektionen des Übungsbuches HELLAS werden die Grundlagen zur späteren Lektüre von Originaltexten gelegt. Dabei kommt jedoch die Beschäftigung mit der Kultur der Griechen nicht zu kurz.
Eine waghalsige Flucht aus Kreta, Eine unmenschliche Forderung, Ein nützlicher Hochverräter, Eine gefährliche Brautwerbung, Vegetarische Kost mit Tücken, Ein praktischer Philosoph, Fremdenfeindlicheit- ein Fall für den König, Ein Weltstar in Athen, Ist Griechenland noch zu retten - hinter diesen Überschriften verbergen sich an Originale angelehnte, im Schwierigkeitsgrad angepasste Texte, die in Mythologie, Geschichte, Alltagsleben, politisches Denken, Philosophie, Wissenschaft, Kunst und Architektur der Griechen einführen - in den Reichtum einer Kultur, die für die Herausbildung der europäischen Welt, in der wir leben, eine der prägenden Kräfte war.
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11. Klasse

Nachdem die Grundlagen in Wortschatz und Grammatik erarbeitet sind, tritt in der 11. Klasse die Lektüre von Originaltexten in den Mittelpunkt. Dabei stehen vor allem drei große Themenblöcke im Vordergrund.

In Platons Apologie des Sokrates lernen wir den Denker kennen, der am Beginn der Philosophiegeschichte steht. Er hält seinen Mitbürgern den Spiegel vor und ruft sie zu einer bewussten Lebensführung auf. Dafür bezahlt er mit dem Tod. Im Jahre 399 wird er vom Athener Volksgericht dazu verurteilt, den Schierlingsbecher zu trinken.

Herodot gilt als Vater der Geschichtsschreibung. Der rote Faden, an dem er sich ausrichtet, ist die kriegerische Auseinandersetzung zwischen Griechen und Persern, die in der Seeschlacht von Salamis 480 ihren Höhepunkt findet. Daneben erzählt er jedoch auch allerlei Geschichten über Länder und Völker, die sein Werk zu einem bunten Bilderbogen der antiken Welt werden lassen.

In der Odyssee Homers wird geschildert, wie einer mühevoll seinen Heimweg sucht und schließlich auch nach Hause findet. Aber das Epos ist mehr als nur die Erzählung der berühmten "Irrfahrten". Am Anfang der europäischen Literaturgeschichte spiegelt es zeitlos gültige Züge der conditio humana in seinem Helden Odysseus wider.

Neben der Übersetzung und Diskussion dieser zentralen Texte wird immer wieder Zeit sein für vertiefende Seitenblicke auf andere Bereiche von Literatur, Geschichte und Kunst der Griechen.

Leistungskurs Griechisch: "Vom Mythos zum Logos"

Der Leistungskurs Griechisch verfolgt in den vier Kurshalbjahren die Ausformung des griechischen Denkens und der griechischen Literatur von ihren Anfängen bis zum Stadium der Reife unter dem übergeordneten Thema Die Selbstfindung des Individuums. Wir können dabei nachvollziehen, wie sich der Mensch aus der mythischen und gesellschaftlichen Gebundenheit allmählich befreit und in der Auseinandersetzung mit Grundfragen des Lebens zu individuellen Antworten findet. Die Bandbreite der gelesenen Texte deckt dabei alle literarischen Gattungen ab. Wir gelangen direkt an die Quellen europäischer Kultur in Literatur, Philosophie und bildender Kunst.

12/1: Das Erwachen des kritischen Bewußtseins bei den Griechen
a) Homer, Ilias
Mit den homerischen Helden treten uns Menschen gegenüber, die in ihrem Handeln und Denken weitestgehend in ihre Gesellschaft und mythische Tradition eingebunden sind. Ein Abweichen ist noch kaum denkbar, deutet sich aber bereits in Gestalten wie Achilleus und Hektor an.

b) Griechische Lyrik
In der griechischen Lyrik spricht zum ersten Mal das Ich. Wir erleben, wie einzelne Persönlichkeiten sich selbstbewußt äußern. Dabei kommen die verschiedensten Themen zur Sprache: Weltverständnis, Glücksvorstellung, Liebe, Aufruf zu politischem Handeln, persönliche Verantwortlichkeit ebenso wie die - z.T. frech vorgetragene - Zurückweisung alter Wertmaßstäbe.

c) Vorsokratische Naturphilosophie
Die Vorsokratiker waren auf der Suche nach dem Ursprung der Welt und der ihr innewohnenden Gesetzmäßigkeiten. Sie sind die ersten, die Prinzipien wissenschaftlichen Denkens ausprägen und dabei zu den verschiedensten Ansätzen gelangen, die für das Denken unseres Kulturkreises von prinzipieller Bedeutung geworden sind.

12/2: Der radikale Denkansatz in der griechischen Sophistik

Die Sophistik kann als eine Epoche der Aufklärung gelten. Das Denken wendet sich mehr und mehr von der Betrachtung der Natur ab und stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Ins Zentrum des Interesses tritt die Frage, woran sich die Lebenspraxis des Menschen zu orientieren habe. Die zahlreichen Vertreter dieser geistigen Strömung setzen dabei verschiedene Akzente: Fragen der Erziehung des Menschen, Rhetorik, Erkenntnistheorie, religiöse Vorstellungen, Kulturentstehung, positives Recht und Naturrecht. Dabei sind beileibe nicht alle "Sophisten" so schlecht wie der Ruf, der ihnen allgemein anhaftet!
Nicht zuletzt wird in der Auseinandersetzung mit Kallikles auch das Lebensideal des Sokrates nochmals in den Blickpunkt treten.

13/1: Individuum und politische Ordnung

Im Mittelpunkt dieses Abschnitts stehen die möglichen Verhaltensweisen des Einzelnen gegenüber der staatlichen Gemeinschaft. Wir rekonstruieren dabei den Weg von der geschlossenen archaischen Gesellschaft bis zu einer offenen Staatsform - unsere eigene Position wird dabei immer wieder zu hinterfragen sein. Die einzelnen Themen:

Solon bietet in seiner Eunomie ein Konzept zum Abbau sozialer Spannungen durch rechtsstaatliche Prinzipien und ruft die Athener zu Eigenverantwortlichkeit und sozialem Handeln auf.

Im Logos Epitaphios des Geschichtsschreibers Thukydides lernen wir das Idealbild der athenischen Demokratie kennen.
Die Antigone des Tragödiendichters Sophokles führt vor, welche Konflikte aufbrechen können, wenn Macht und Recht nicht an einem Strang ziehen.
Auch hier begegnen wir wieder Sokrates: Im Dialog Kriton wird die Frage erörtert, ob man auch eine ungerechte Verurteilung gesetzestreu hinzunehmen habe.
In den philosophischen Konzepten der Stoiker und Epikureer stehen sich zwei gegensätzliche Auffassungen gegenüber "Pflichten für die Gemeinschaft übernehmen" oder "sich von der Gesellschaft zurückziehen". Wie wird unsere Stellungnahme dazu aussehen?

13/2: Griechische Staatstheorie

Im letzten, aus organisatorischen Gründen (Abitur!) recht kurzen Halbjahr werden Grundtypen möglicher Verfassungen erörtert: Demokratie, Oligarchie, Monarchie.
Daneben werden wir uns mit Platons Idealstaat und der Staatstheorie des Aristoteles auseinandersetzen.
Am Ende steht die Erörterung der Theorie vom Kreislauf der Verfassungen des Historikers Polybios, der eine Mischverfassung zur Erreichung größtmöglicher Stabilität vorschlägt.