Was wäre gewesen, wenn... - die Perser bei Salamis gesiegt hätten?



Tagebuchbericht eines überlebenden persischen Seefahrers

28. August 480 v.Chr.

Die Sonne geht langsam auf und der Dunst auf den Schiffen verstärkt sich. Ich liege in meiner Kajüte und grüble. Wochenlang ist unsere Flotte mit den besten persischen Kriegern auf See. Seit Tagen liegen wir vor der griechischen Küste und warten auf den Kampf. Erschöpft durch die Hitze und den Mangel an Trinkwasser liegen die Kameraden müde auf dem Deck. Warten, Warten auf den Feind. Gestank von faulen Körpern und totem Fisch zieht in meine Kajüte und raubt mir jeden Schlaf. Jetzt ist die sechste Stunde - ein letztes Mal raffen sich die müden Gefährten auf, um in der hoffentlich erfolgreichen Schlacht den Persern zum Sieg zu verhelfen. Gerüstet, auch ich in meiner Rüstung mit Beinschienen, die in der Sonne silbern glänzen, ziehen wir gegen Salamis auf die Flotte der Griechen zu. Von weitem schon erblicken die Kameraden die gehissten hellenischen Segel. Noch enger umfassen die wunden Hände die Lanzen und Speere, und der eiserne Wille treibt uns auf die Griechen zu. Die Angst steht mir und erkennbar jedem einzelnen der Gefährten ins Gesicht geschrieben. Gleich werden ich und meine Männer die Fotte die griechischen Gegner angreifen.
Doch als diese die mächtige Flotte der Perser entdecken und gleichzeitig bemerken, dass die eigene nicht im geringsten der der Perser entgegentreten kann, wenden sich die Griechen zum Rückzug.
Wir, immer noch die Waffen umklammernd, gleichzeitig verwundert, scheuchen die Ruderer an und ziehen mit enormer Geschwindigkeit den Griechen hinterher. Jauchzendes Geschrei der Kameraden treibt uns voran auf die Hellenen zu. Doch da, drohende Gewitterwolken und leichte Böen scheinen uns abhalten zu wollen. Wird ein Sturm uns vom Sieg über die  Griechen abhalten? Wird der mächtige Poseidon uns verschlucken? Anscheinend haben auch die Gegner den Wind verspürt und versuchen nun in der Meeresenge von Salamis Schutz zu finden und uns abzuhängen.
Die Lage bei uns ist zwiegespalten, Unsicherheit herrscht. Uns wird klar, dass es unmöglich ist mit der enormen Flotte in die engen Felsenschluchten zu fahren. Deshalb entscheiden wir, dass ein Teil der Schiffe unmittelbar die Verfolgung aufnehmen und der andere die Engpässe im großen Bogen umfahren soll. Gesagt getan. Mein Mut sammelt sich und die Kameraden raffen sich mit neuer Kraft auf.
Ich gehörte, wie sich später herausstellen sollte, glücklicherweise zu dem Teil der Flotte, der den Umweg fuhr. Vier Stunden, es war nun später Nachmittag, umkreisten wir weiträumig die Klippen. Die Gefährten und ich, nun erneut bei Kräften, sahen schon von Weitem Holz, Schiffsstücke und blutige Menschenreste, die in den salzigen Wogen trieben. Wie wir im Nachhinein erfuhren, war der andere Teil unserer Flotte wie vereinbart der griechischen gefolgt. Doch da die Griechen durch die Wendigkeit ihrer kleinen Schiffe einen Vorteil hatten, sah es für die Unsrigen recht schlecht aus. Die Hellenen hatten sie nach einer harten Seeschlacht geschlagen, mussten aber dennoch hohe Verluste einstecken.
Und da, da kamen wir. Frisch und deutlich in der Überzahl.
Wir fahren geschickt von hinten an die restlichen Schiffe heran. Zu spät bemerken diese unsere Flotte und auch durch geschicktes Wenden ist es ihnen nicht möglich unserem Rammen zu entgehen. Ein riesiges Loch klafft im gegnerischen Schiff und nach weiteren Angriffen ist die griechische Flotte vernichtet. Blut und wildes Wasser überall. Auch auf unsere Seite haben tapfere Kameraden ihr Leben lassen müssen, doch der Sieg über die Griechen lässt die Verluste verblassen.............
 

Erläuterungen von einem persischen Gelehrten 2000 n. Chr.

...........Dieser jüngst entdeckte Tatsachenbericht wirft nun endlich ein neues Licht auf die Befreiungsschlacht bei Salamis. Damals, vor knapp 2500 Jahren kämpften wir an diesem Ort gegen die griechischen Stämme, die mutwillig brandschatzten und Land raubten. Die Schlacht wurde zwar in ihrer Bedeutung nie unterschätzt, ihr risikoreiches Wesen blieb jedoch meist unbeachtet. So findet man in dieser eindringlichen Schilderung des Seefahrers heraus, dass das unsrige Heer nicht durch seine überwältigenden Fähigkeiten, sondern vielmehr aufgrund eines Unwetters den Griechen überlegen war. Während ersteres, also die ungeheuere Stärke des Heeres, vor allem im Volksmund umhergeht, weist der Sturm besonders auf die Abhängigkeit vom Götterwillen und natürlich auch auf das Gottesgnadentum des persischen Herrschaftshauses hin. Denn dieses Ereignis, das eindeutig von den Unsterblichen veranlasst wurde, verhinderte den Untergang der persischen Streitkräfte und verhalf somit den persischen Sitten und Bräuchen zum Weiterbestehen. Als Folge wurde auch das Aufkommen des großpersischen Reiches angekurbelt. So sieht man an welch seidenem Faden unsere Herrschaft, unsere Wesensart, unsere Werte und damit unser Wissen hingen. Es muss nun einmal bedacht werden, welche Auswirkungen es gehabt hätte, wenn die Verbrecher siegreich gewesen wären. Im Gegensatz zu unserer strikten Königsherrschaft gäbe es womöglich eine wirre Volksherrschaft. Diese würde sich wahrscheinlich nicht nur auf der unbedeutenden Halbinsel sondern, bei nur annähernd großpersischer Ausdehnung, über das gesamte Morgen- und Abendland erstrecken. Eine grauenerregende Vorstellung! Welch ein Umstand, die unbedeutende und vor allem überflüssige Meinung der Untertanen zu berücksichtigen. Was für ein Aufwand! Unter Umständen würde noch mehr von diesem Künstlergesocks die knappen Kassen unseres Staates leeren. Zudem wären unsere Bildungsanstalten und Erziehungsheime freilich offen für allerlei ungläubiges Gesindel. Überhaupt käme es noch soweit, dass eine freie Meinungsäußerung gestattet wäre, gar nicht zu sprechen von Gleichberechtigung. Wobei dies doch die schädlichsten Einrichtungen überhaupt sind, denn wie soll eine so große Gesellschaft sonst problemlos in Schach gehalten werden, wenn nicht durch gleiche Ansichten und angeglichene Gedanken? Außerdem ist es zwingend nötig, einige wenige Staatsoberhäupter zu haben, die mit ihrer Meinung das Volk klar in seine Schranken weisen und nach ihrem eigenen Gutdünken herrschen. Mißgünstige Folgen und unvorstellbare Auswirkungen wären also zu erwarten gewesen. Griechische Vorstellungen im Staat, sprich Rechtssystem und Verfassung, hätten unsere Herrschaft benebelt und hätte womöglich für einen grauenhaften Sumpf von verweichlichten Menschen in der gesamten uns bekannten Welt gesorgt. Was für ein Glück, dass die Richtigen gewonnen haben und uns all dies erspart bleibt!
 

Ein Text, der Stunden lang von Daniela Höllein & Moritz Ebner erarbeitet, erfunden und zusammengestellt wurde. Anhand dieses Berichtes wollten wir nur einmal ausführen, wie es sich hätte ereignen können, wenn die Perser 480 v. Chr. bei Salamis gewonnen hätten.
Wir danken für ihr Interesse und ihre Aufmerksamkeit!