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Programm:
7.30
Uhr Abfahrt am Anger
9.00
Uhr Ankunft in Würzburg
9.00-11.00
Uhr Führung durch das Martin von Wagner Museum
11.00-12.00
Uhr Besichtigung der Fachschaftsbibliothek für alte
Sprachen
in der Residenz
12.00-14.00
Uhr Zeit zur freien Gestaltung
14.00.16.00
Uhr Besichtigung der Marienburg
16.00
Uhr Abfahrt in Würzburg
17.30
Uhr Ankunft am Anger
Am
Montag,den 05.06.2000 machten wir, die Griechen der 10. und 11. Klasse
des Casimirianums, uns mit einem 4-Sterne Bus auf den Weg nach Würzburg.
Dort
angekommen, begrüßte uns Professor Sinn in der Würzburger
Residenz, der uns durch die griechische Vasensammlung führte, die
im Martin von Wagner Museum untergebracht ist. Professor Sinn ist ein freundlicher
Mann, jünger als wir erwartet hatten. Sind die Leute, die sich mit
der Antike beschäftigen, etwa doch nicht alle verstaubt?
"Die
antiken Griechen besaßen im Grunde die gleiche Kultur wie wir!" Ein
überraschender Satz - 2500 Jahre sind vergangen, und da soll die Kultur
gleichgeblieben sein? Wie meint der das? Kann man das wirklich glauben?
Anhand einiger Vasen und Gefäße bewies uns Professor Sinn, dass
heute "aktuelle" Entwicklungen schon vor mehr als 2000 Jahren stattfanden.
Helena, die als Inbegriff der Schönheit gilt, kämpfte schon damals
darum als Frau freie Entscheidungen treffen zu können.
Ein
anderer Punkt, der angesprochen wurde, war die Erziehung der reichen Jungen
zu ihrer zukünftigen Rolle als Führungspersönlichkeit. Hierbei
kam er auf das Verhältnis der Jungen mit ihren Lehrern zu sprechen.
Als
Grundlage für erfolgreiches Lernen sollte Vertrauen zwischen Schüler
und Lehrer herrschen. Deshalb wurden die Erzieher sehr sorgfältig
ausgewählt.
Beim
Betrachten der Vasen fiel uns auf, dass die meisten Personen nackt dargestellt
sind. Was soll das bedeuten? Ist dies ein Zufall? Nach den Erläuterungen
von Professor Sinn, wurde uns klar, dass dies ein Teil ihrer Offenheit
war. Die Körperabbildungen entsprechen natürlich nicht ganz der
Wirklichkeit, sondern dienten dem Maler dazu, durch die athletische Gestalt
der Krieger, ihre Fähigkeiten darzustellen. Dies kam uns allerdings
sehr übertrieben vor. Gab es denn damals schon Fitnessstudios? Genauso
übertrieben fanden wir die Darstellung von Tieren, wie z.B. ein Pferd,
das fast nur aus muskulösen Beinen bestand. Dies zeigt den Nutzen
der Pferde, die ausschließlich für die Landwirtschaft und den
Krieg gebraucht wurden.
Bei
griechischen Vasenbildern ist nichts dem Zufall überlassen; hinter
jedem Detail liegt eine Aussage verborgen. So werden Frauen im Gegensatz
zu den Männern mit weißer Hautfarbe gezeichnet, weil die Aufgabe
der Frau damals war, den Haushalt zu regeln. Sie sollten sich möglichst
nur im Haus aufhalten.
Nur
ein paar Meter von der griechischen Vasensammlung entfernt, befindet sich
im gleichen Gebäude die Fachschaftsbibliothek für Studenten von
Latein und Griechisch.
Hier
empfing uns der ehemalige Lehrer von Herrn Carl, Herr Hans-Ludwig Oertel.
Er führte uns in einen der einzigen zwei Bibliotheksräume und
dort durften wir uns nach zwei Stunden langen Zuhörens und Stehens
endlich alle setzen. In diesem Raum war speziell die Literatur zu griechischen
Autoren untergebracht, im anderen Raum nebenan die Literatur zu lateinischen
Autoren. Er erläuterte uns das System, nach dem die Bücher geordnet
sind und welche Art von Büchern sich dort finden lässt, so zum
Beispiel Übersetzungstexte, Kommentare, Quellentexte und sehr, sehr
dicke Wörterbücher. Besonders interessiert waren wir (besonders
die Jungs) aber an dem uralten Computer, der den Studenten dort zur Verfügung
steht, um Bücher aus der Unibibliothek zu bestellen, was wir natürlich
sofort taten (nachdem wir ungefähr 15 Minuten gewartet hatten, bis
der Kasten erst einmal warmgelaufen war!). Herr Oertel forderte uns auch
auf unbedingt einmal selbst ein Buch "herauszugreifen" und darin zu lesen.
Leider verstanden wir nur einen kleinen bescheidenen Teil der Texte. Nachdem
Herr Carl ausgiebig in seiner Vergangenheit als Student geschwelgt hatte
und feststellen musste, dass sich im negativen aber auch im positiven Sinne
seit seiner Studienzeit nicht viel in diesen Räumen verändert
hatte, bedankten wir uns bei Herrn Oertel für seinen kleinen, amüsanten
Vortrag und verließen die Residenz.
Die
folgenden zwei Stunden nutzten wir, um unsere knurrenden Mägen zu
beruhigen, Klamotten und Furby-Babys zu kaufen, die Innenstadt zu bewundern
oder einfach nur in einem Straßencafe den wunderschönen Tag
zu genießen.
Kurz
nach 14 Uhr machten wir uns, auf den Rat von Herrn Oertel hin, auf den
Weg hinauf zur Burg, anstatt auf einem Schiff den Main entlang zu schippern.
Nachdem wir die unzähligen Stufen (bei 300 hörten wir auf zu
zählen) hinauf zur Burg erklommen hatten, genossen wir den Ausblick
auf die Stadt. Dann ließen wir uns völlig erschöpft im
Burghof nieder, lauschten dem Vortrag von Herrn Carl über die Geschichte
der Burg und spielten mit den leicht anhänglichen Tauben. Nachdem
wir aus der Burg vertrieben wurden, bereicherten wir noch schnell einen
kleinen Kiosk, der von solch heißen Tagen ja unheimlich profitiert,
und machten uns dann um 16 Uhr mit dem Bus auf den Weg zurück nach
Coburg.
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