"Mens sana in corpore sano" - Gesundheit und Schule wurden schon in der Antike in enger Verbindung gesehen.
In diesem Sinne beschloss die Lehrerkonferenz unserer Schule einstimmig am Landesprogramm "gute gesunde Schule" teilzunehmen. Am 29.10.2008 fand die Auftaktveranstaltung mit insgesamt sieben beteiligten Schulen aus der Region Coburg im Casimirianum statt. Es handelt sich dabei um einen umfassenden Schulentwicklungsprozess, in dem die nachhaltige Gesundheitsförderung konsequent in den Dienst des Bildungs- und Erziehungsauftrags der Schule gestellt wird. Dabei wird Gesundheit definiert als der "Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur die Abwesenheit von Krankheit und Gebrechen" (WHO 1948).
Das Landesprogramm wird in Bayern von der Bertelsmann-Stiftung, der BARMER Krankenkasse, der AOK, dem Gemeindeunfallversicherungsverband und dem Gesundheits- und Kultusministerium (siehe hier auch: www.gesundheit-und-schule.info) getragen. Regionalkoordinatorinnen und -koordinatoren unterstützen die bayerischen Schulen, die in das Landesprogramm aufgenommen wurden, bei ihrer Arbeit.
Gez. Partes
Für Interessierte:
Aus der Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vom 23.06. 2008
Aktuelle Ergebnisse von Untersuchungen bei Kindern und Jugendlichen zeigen eine Zunahme von Übergewicht und Adipositas, damit verbundenen Folgeerkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck, Störungen der Motorik und des Skelettapparats und nicht zuletzt die Zunahme von psychischen Erkrankungen schon im frühen Alter. Eine besondere Risikogruppe bilden Kinder und Jugendliche aus Migrantenfamilien, aus bildungsfernen Schichten und jene, die in Armut aufwachsen.
Auch bezüglich der Lehrer mehren sich die Befunde, dass der Beruf auf Dauer zu erheblichen Beeinträchtigungen der Gesundheit und Leistungsfähigkeit führen kann. So wurden beispielsweise nach dem Dritten Versorgungsbericht der Bundesregierung im Jahr 2002 allein 41 Prozent aller in den Ruhestand versetzter Lehrer aufgrund einer krankheitsbedingten Dienstunfähigkeit frühpensioniert. Bei mehr als der Hälfte von ihnen (56 Prozent) waren psychische und psychosomatische Erkrankungen der Grund. Solche Erkenntnisse sind deshalb alarmierend, weil die betroffenen Lehrer nicht nur an Lebensqualität einbüßten, sondern oft auch nicht mehr in der Lage sind, ihren beruflichen Anforderungen gerecht zu werden. Dies hat zunächst negative Folgen für die Schüler, letztlich jedoch für die gesamte Gesellschaft: Eine Wissensgesellschaft, deren wesentliches Gut die Innovationskraft ihrer Bürger ist, benötigt leistungsfähige Schulen. Sie wiederum sind ohne gesunde, leistungsstarke und gut ausgebildete Lehrkräfte nicht denkbar. Insofern ist die Sorge um gesunde Bedingungen für eine gute Schule eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Gesundheitserziehung ist keine neue Aufgabe der Schule. Gemäß Art. 1 des Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes sollen die Schulen "Wissen und Können vermitteln sowie Geist und Körper, Herz und Charakter bilden". So werden jetzt schon an jeder Schule Projekte zu Gesundheitsthemen durchgeführt, allerdings ohne hinreichende Wirkung. Die einzelnen Maßnahmen stehen häufig ohne inhaltlichen Zusammenhang nebeneinander und werden auch nicht von der Mehrheit der Beteiligten einer Schule getragen. Sie sehen zurecht die Kernaufgabe von Schule in einer wirksamen Erziehung und nachhaltigen Bildung und weniger in der Förderung von Gesundheit. Für die Bildungsqualität und das Gelingen von Schule sind aber Gesundheit und Wohlbefinden - und zwar bei Schülern wie bei Lehrern - wesentliche Bedingung.
Gemeinsam mit verschiedenen Kooperationspartnern hat das Staatsministerium deshalb in den vergangenen Jahren Modellversuche durchgeführt (Anschub.de und speziell zur Lehrergesundheit), um neue Ansätze für die Gesundheitsförderung in der Schule zu erproben. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sind in das nachfolgend beschriebene Konzept eingeflossen. Es basiert auf den gesammelten Erfahrungen mit schulischer Gesundheitsförderung im In- und Ausland und wurde u.a. von Professor Paulus, dem wissenschaftlichen Leiter von Anschub.de (www.anschub.de), zur Verwirklichung guter gesunder Schulen entworfen.
Das Konzept der "guten gesunden Schule" wird allen bayerischen Schulen zur Umsetzung empfohlen. Über Ausmaß und Geschwindigkeit, mit der dies erfolgt, entscheidet die Schule selbst.
Von der bisher üblichen Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung an Schulen unterscheidet sich der neue Ansatz für eine gute gesunde Schule (ggS) v.a. durch
Bisher war Gesundheitsförderung ein Thema unter vielen in der Schule, dem man durch Maßnahmen zur Verwirklichung von Gesundheitszielen gerecht zu werden versuchte. Schule stand dabei gewissermaßen im Dienst der Gesundheit.
Eine gute gesunde Schule ist hingegen eine Schule, die Gesundheitsinterventionen durchführt um ihre Bildungsqualität insgesamt zu verbessern. Gleichzeitig verwirklicht sie auch die spezifischen Ziele der Gesundheitsbildung, die zum Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule gehören. Sie stellt damit konsequent Gesundheit in den Dienst des Bildungs- und Erziehungsauftrags der Schule.
Was dies bedeutet, ergibt sich aus der Gesundheitsdefinition der Weltgesundheitsorganisation (WHO 1948):
"Gesundheit ist der Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur die Abwesenheit von Krankheit und Gebrechen."
Nach der weiterentwickelten modernen Fassung ist Gesundheit die physische, psychische, soziale, ökologische und spirituelle Balance des Wohlbefindens.
Eine gute Schule gelingt nur, wenn sie das Wohlbefinden aller Beteiligten in der Schule berücksichtigt. Dazu gehört, dass sich Schüler, aber auch Lehrkräfte und nicht-unterrichtendes Personal mit den schulischen Anforderungen auseinandersetzen. Denn Wohlbefinden resultiert auch aus der Eigenaktivität der Beteiligten, beispielsweise indem sie in der Schule ihre eigenen Anliegen, Wünsche und Hoffnungen äußern und erfüllen. Beides, die produktive Anpassung und die Selbstverwirklichung, gehören zum Erleben des Wohlbefindens dazu.
Gerät dieses Gleichgewicht in die Schieflage, folgen Missbefinden und Krankheit. Das zeigt sich in subjektiven und objektiven Aspekten, beispielsweise in den Ergebnissen der schulärztlichen Untersuchungen. Ob ein Mensch die Balance erreicht, hängt davon ab, welche Ressourcen beziehungsweise Risikofaktoren er in die jeweilige Situation mitbringt und welche soziokulturelle, ökonomische und physisch-technische Umwelt vorhanden ist. Auf die Schule bezogen meint Letzteres die Gebäude mit ihren architektonischen und bautechnischen Gegebenheiten sowie die Grün- und Freiflächen mit ihren Potenzialen für ein gesundes oder auch krank machendes Schulleben. Zur soziokulturellen Umwelt gehören die am Schulleben vorübergehend oder dauerhaft beteiligten Personen(-gruppen) sowie die Normen, Werte, Stundenpläne, Arbeitszeitregelungen und alles andere, was das Zusammenleben und -arbeiten in der Schule auch in gesundheitlicher Hinsicht mit beeinflusst.
Ein zentrales Merkmal der ggS ist in diesem Zusammenhang die Ausrichtung auf die Salutogenese (im Sinne von Aaron Antonovsky). Salutogenese zeichnet sich dadurch aus, dass sie Menschen in der Schule stärkt und unterstützt, so dass diese Zutrauen zu sich selbst entwickeln und erhalten (Gefühl der Machbarkeit), dass ihr Handeln ihnen (wieder) sinn- und wertvoll erscheint (Gefühl der Sinnhaftigkeit), dass ihr Leben und das, was sich darum herum abspielt, (wieder) begreifbar wird (Gefühl der Verstehbarkeit).
Definition der guten gesunden Schule:
"Eine gute gesunde Schule verständigt sich über ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag, setzt ihn erfolgreich um und leistet damit einen Beitrag zur Bildung für nachhaltige Entwicklung. Sie weist gute Qualitäten in ihren pädagogischen Wirkungen und ihrem Bildungs- und Erziehungserfolg, der Qualität von Schule und Unterricht sowie der Gesundheitsbildung und -erziehung von Schülerinnen und Schülern aus. Sie sorgt für die stetige und nachhaltige Verbesserung dieser Bereiche durch die konsequente Anwendung von Erkenntnissen der Gesundheits- und Bildungswissenschaften."
Zur guten gesunden Schule gehören Gesundheitsinterventionen im Unterricht, im Management und im Bereich des Schulklimas und der Schulkultur. Damit erreichen Schulen insgesamt bessere Bildungs- und Erziehungserfolge und mindern so unter anderem die Auswirkungen sozialer Bildungsbenachteiligungen. Ist Schule nach Gesundheitsgesichtspunkten gestaltet, hat das einen spürbaren Effekt auf ihre Bildungs- und Erziehungserfolge. Ihre baulichen, aber auch ihre Organisations- und Kommunikationsstrukturen und -abläufe sind dafür verantwortlich. Studien zeigen, dass Kinder, die gerne in die Schule gehen und sich dort wohlfühlen, besser lernen. Sie haben günstigere Voraussetzungen im Hinblick auf ihre Schulleistungen und -erfolge. Positives Wohlbefinden in der Schule fördert also die Leistungsmotivation und mindert störendes Verhalten. Die gute gesunde Schule zeigt also, wie Interventionen im Bereich der Gesundheitsbildung und -erziehung nachhaltig das Gesundheitsverhalten und -erleben der Schüler verbessern. Wissen sie mehr über Gesundheit in den wichtigen Themenfeldern "Ernährung", "Bewegung" sowie "Stress/psychische Gesundheit" und wenden es an, stärkt das ihre Kompetenz. Sie handeln eigenverantwortlich im Sinne der persönlichen Gesunderhaltung und der ihrer Mitmenschen. Damit trägt die gute gesunde Schule auch zu den allgemeinen Erziehungszielen der Schule bei. Indem die gute gesunde Schule Bildungs- und Erziehungsprozesse fördert, leistet sie auch indirekt einen Beitrag zur Gesundheit. Wie internationale Studien zeigen, ist Bildung einer der wichtigsten sozialen Faktoren der Gesundheit da sie auf die Einstellungen zur Gesundheit und auf das Gesundheitsverhalten wirkt.
Der Weg zur ggS ist ein Schulentwicklungsprozess zur Verbesserung der Bildungs- und Erziehungsqualität. Dazu wird zunächst mithilfe der Evaluations-Fragebögen der Qualitätsagentur des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung (www.isb.bayern.de/Qualitätsagentur) von der Schule selbst eine Ist-Analyse durchgeführt. Auf dieser Basis kann jede Schule systematisch und zielgerichtet ihre Entwicklungsvorhaben auswählen, deren Umsetzung planen und nach angemessener Zeit überprüfen. Die Fragebögen erlauben es, die Sichtweisen verschiedener schulischer Akteure (Schüler, Eltern, Lehrer) auf die zentralen schulischen Prozesse wie Unterricht, Schulklima, Qualifikation, Kommunikation und Information, Führung und Management, Leistungsbewertungen und anderes zu erfassen.
Die systematische Herangehensweise mit klarer, begründeter Schwerpunktsetzung sowie überschaubarer Zeitplanung trägt zur Konzentration der Kräfte bei und bringt damit höhere Wirksamkeit, aber auch Entlastung.
Eine gute gesunde Schule verbessert aber nicht nur allgemein ihre Leistungsfähigkeit, sie fördert auch gezielt die Gesundheitskompetenzen der Schüler. Dies geschieht auf der Ebene des Unterrichts, wird aber auch durch die Organisation der Schule insgesamt unterstützt. Gute Gesundheitsbildung in der Schule greift damit weit über die eigentlichen Gesundheitsthemen hinaus. Schüler lernen verantwortungsbewusst mit sich und anderen umzugehen. Darüber hinaus erwerben sie ein tiefes Verständnis von gesundheitsbezogenen psychologischen, medizinischen, sozialen und ökologischen Zusammenhängen. Damit leistet die Gesundheitsbildung einen wesentlichen Beitrag zum allgemeinen Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule und z.B. zugleich für die Gewaltprävention.