Casimirianer und Ernestiner aus Gotha - nicht nur unter Herzog Ernst I. verbunden
Schülergruppen aus beiden Gymnasien erforschen die gemeinsame Geschichte
Gotha - Das waren zwei vollgepackte Tage! Am 8. und 9. Oktober setzten sich jeweils 26 Schülerinnen und Schüler vom Gymnasium Casimirianum Coburg und dem gastgebenden Gymnasium Ernestiunum Gotha auf die Spuren der engen Verbindungen beider Schulen durch die Jahrhunderte. Gearbeitet wurde mit entsprechender Literatur, den Jahresberichten früherer Jahrgänge, mit Quellen im Internet und mit KI, zum Teil sogar in den sonst nicht zugänglichen Räumen der Forschungsbibliothek auf Schloss Friedenstein. Dabei wurden einige "Schätze" zu Tage gefördert, die in der wechselvollen Geschichte beider Schulen in den relativ weit voneinander entfernten Gebieten die besonders enge Verknüpfung zeigen. Wer hätte gewusst, dass Herzog Casimir im Jahr 1600 die zu seinen Gothaer Gebieten gehörende Vorgänger-Lateinschule des Gymnasiums Ernestinum in den Rang eines "Gymnasium illustre" erhob, was bedeutete, dass dort unmittelbar universitätsvorbereitend gearbeitet wurde, vergleichbar mit einem Grundstudium? 1604 gründete er zudem eine Finanzstiftung, die das Gothaer Gymnasium jährlich mit 200 Gulden - heute ca. 10.000 € - förderte, bevor 1605 sein Coburger Gymnasium Casimirianum nach vier Jahren Bauzeit ebenso als für das ganze Fürstentum geltende Vorzeigeschule mit akademischem Anspruch eröffnet wurde. Beide Schulen hatten also unter Herzog Casimir als "pädagogisches Zwillingsprojekt" vergleichbar hervorgehobenen Status über die jeweiligen Stadtgrenzen hinaus. Oder: Wer hätte gewusst, dass der große Gothaer Herzog Ernst der Fromme (er regierte von 1640-1675) das Gymnasium Ernestinum von Grund auf reformierte und neu ausrichtete, was er dann, als er ab 1672 auch über Coburg herrschte, auf das Gymnasium Casimirianum übertrug? Zusätzlich politisch wuchsen Coburg und Gotha dann 150 Jahre später in der Zeit des Doppelherzogtums Sachsen-Coburg und Gotha seit 1826 unter Ernst I. und Ernst II. zusammen. 1839 wechselte beispielsweise der hochgeschätzte Direktor des Casimirianums Gottfried Seebode innerhalb des Herzogtums ans Gymnasium Ernestinum Gotha. Quer durch die Jahrhunderte nahmen die Teilnehmenden auch jeweils die politischen Gegebenheiten in den Blick, reflektierten sie vor dem Hintergrund unsrer heutigen, als "normal" erfahrenen demokratischen Grundordnung und bildeten sich ein Urteil über die verschiedenen Herrschaftsformen - ganz schön viel Inhalte für nur zwei gemeinsame Tage! Nach der sechs Jahre anhaltenden Pause der Kontakte seit Corona wollen beide Schulen wieder enger verbunden und gemeinsam in die Zukunft gehen. Die seit 1991 bestehende Partnerschaft, die in den Projektseminaren "DenkWege zu Luther" der Evangelischen Akademie Thüringen wiederbelebt wurde, findet nun wieder zu neuer Dynamik, eine erste Initialzündung waren diese beiden Projekttage, gefördert aus den Mitteln des Bundesprogramms "Demokratie leben!" des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen der Partnerschaft für Demokratie in der Stadt Coburg. Die Teilnehmenden aus beiden Schulen konnten sich kennenlernen, Kontakte austauschen und feierten einen gemeinsamen Grillabend, verkostet mit leckeren Gothaer Bratwürsten, eng verbunden in einer gemeinsamen Gruppen-Challenge und im Flow beim Partytanz. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer freuen sich schon auf ein Wiedersehen.


Links:
- Projektvorstellung (PDF)
- Besuch in Gotha 02.07.2026
- Gegenbesuch 17.09.2026
